Eine Investition in die Zukunft
Im März 2003 hat der Tessiner Grossrat einstimmig den Krediten für die Machbarkeitsstudie und die Versuchsphase einer elektronischen Gesundheitskarte zugestimmt. Nach 18 Monaten Vorbereitungszeit hat im November 2004 die Versuchsphase im Ballungsraum Lugano mit 2'500 freiwilligen Patienten begonnen. Es handelt sich auf nationaler Ebene um ein Pilotprojekt, um den Bürgern eine modernere Verwaltung der Gesundheitsinformationen nahe zu bringen.
Um was handelt es sich?
Die elektronische Gesundheitskarte ist eine Art "Identitätskarte der Gesundheit": eine Karte mit Prozessor – dem Mikrochip – auf dem einige der Gesundheitsdaten registriert sind. Diese Informationen schnell und genau zu erhalten, kann für den Schutz der Gesundheit von grundlegender Bedeutung sein. Die Privatsphäre ist garantiert, da der Halter der Karte entscheiden wird, auf welche Daten zugegriffen werden kann, und wer diese einsehen darf.
Warum wird die Gesundheitskarte ins Leben gerufen?
Um die Kommunikation zwischen den verschiedenen Bereichen der Medizin, und somit die Qualität der Pflege, zu verbessern. Um die Gesundheitskosten, dank einer Rationalisierung der Informationen, zu verringern.
Wie sollen die Informationen verwaltet werden?
Die Technik hat unser Leben radikal verändert, auch im medizinischen Bereich; man denke nur an die CTG oder die Magnetresonanz, aber was die Organisation der Patienteninformationen betrifft, ist sie noch nicht sehr verbreitet. Die Einführung einer Gesundheitskarte stellt den ersten Schritt zur Bildung eines informatisierten Gesundheitsnetzes dar, welcher eine Rationalisierung der Pflege ermöglichen wird.
Ein klares Bild für eine pragmatische Strategie
Die durch die Instrumente des elektronischen Gesundheitswesens gebotenen Gelegenheiten sind unangefochten. Hingegen gibt der Widerstand von Seiten der im Gesundheitssektor Arbeitenden bei der Einführung in die tägliche Praxis zu Diskussionen Anlass. Die Wahl der Gesundheitskarte zum ersten Instrument der elektronischen Gesundheit im Tessin ist das Ergebnis eines wertvollen Konsenses zwischen im Gesundheitssektor Arbeitenden, Patienten, dem Staat und den Krankenversicherern. Mit dem Aufbau der Versuchsphase wird auf die Bedürfnisse des Tessiner Umfelds Rücksicht genommen und ein vertretbarer Vorgang gestartet, welcher nicht nur technisch- organisatorischer sondern (auch) kultureller Natur ist. Das vorgeschlagene Konzept der Gesundheitskarte steht in perfektem Einklang mit der föderalistischen Sichtweise des elektronischen Gesundheitswesens, bei welcher jeder Kanton – unter Einhaltung der eigenen Autonomie im Bereich der Gesundheitspolitik – eine Strategie zur Entwikklung des elektronischen Gesundheitswesens definiert, welche die Bedürfnisse und die Befürchtungen der auf dem eigenen Gebiet im Gesundheitssektor arbeitenden Personen berücksichtigt. Infolge der Genehmigung des Artikels 42a KVG von Seiten des Parlaments, ist der Bundesrat befugt, eine Versichertenkarte einzuführen. Falls diese Karte nicht nur den Bedürfnissen bezüglich der Finanzierung der Krankenversicherung nachkommen kann, sondern es den Kantonen auch erlaubt, Initiativen auf dem Gebiet des elektronischen Gesundheitswesens zu entwickeln, so wird es unserem Land gelungen sein, den Grundstein für eine klare und pragmatische Strategie des elektronischen Gesundheitswesens zu legen.